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Praktikantenalltag
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Hach wie ist das schön, Sommer, Musik in der Luft und selbige wohin man blickt. Was macht man also in so wunderbarer Zeit? Also ich weiß ja nicht was ihr so macht, aber ich mach eine der coolsten Beschäftigungen sowieso: Krankenpflegepraktikum! Nicht mehr in Bruchsal sondern in Germersheim. Das liegt in der Pfalz, direkt überm Rhein, und darum radel ich da auch jeden morgen munter und frohen Mutes hin. Was ein Zuckerschlecken an sich ist, nur nicht direkt auf der Rheinbrücke, da böt es so, dass es einen mit Regenschirm beinahe in die Stratosphäre oder noch höher bläst. Jedenfalls haben mir höhere Mächte einen Monat geschenkt, darum bin ich nur für den August da und spiel den Chefpfleger. Was sehr leicht geht, weil alles andere entweder Patientinnen oder Schwestern sind. Und was für ein itzikleines Krankenhäuschen das ist. Mir fehlen die Worte. Und wie lecker das Praktikantenessen! Da fehlen sie mir erst recht. Aber ich komme ja vom Hunderten ins Weiter, darum kurz ein zusammengefasster Tag, etwas klarer und verständlich auch für den durchschnittlichen Leser.
5 Uhr: Wecker klingelt, ich schwebe aus dem Bett in die Kleider und aufs Fahrrad, mit Musik im Ohr und Schirm in der Hand fahr ich los Richtung Pfalz (PALZ).
6 Uhr: Ich hocke im Schwesternzimmer (laut Türschild), trinke Kaffee mit Röhrchen und hör mir das Gejammer der Nachtschwester an.
6.30: Wie jeden Tag kommt jetzt Spannung auf, Arbeitsteilung steht an, scheiße, schon wieder zum Waschen eingeteilt worden (Oberschwester: "Wer geht messen?", Unterschwester "Ich!", Oberschwester "Ok, dann gehen ich und die andere Unterschwester betten, der Johannes kann ja waschen gehen"). Dabei macht nichts mehr Spaß als beim Messen 50 Leute zu fragen, ob und wenn ja wann sie in der letzten Zeit - sagen wir mal -gestuhlt haben.
7.15: Ich hab mich verkrümelt im Schwesternzimmer und will mir einen Kaffee zapfen, da kommt Peter - Stationsarzt und sehr jung rein. Nur er hat noch bessere Augenränder als ich. Man ich freu mich auf meinen Beruf später mal. Natürlich tu ich so beschäftigt wie möglich und kipp mir das brühende Zeug ins Auge.
8 Uhr: Chefarztvisite, ich schalte ab, weil zu viel Gelaber und weit unter meinem Niveau.
9 Uhr: Nachdem ich 50 Essen verteilt und 150 mal einen "Guten Appetit" gewünscht hab (s. Hörgerät aus), ess ich mein leckeres Praktikantenessen. Auch sehr spannend, da man nie genau weiß, in was man gleich beißt. Sichtweite im Schwesternzimmer: ca. 15cm (s. Teerlunge).
10 Uhr: Ich leere 1000 Nachttöpfe und ziehe 100 Braunülen, sag 1000 mal, nein ich hab verboten bekommen, irgendwas zu injektionieren und das alles gleichzeitig. Meine Hacken sind jenseits von Gut und Böse (im Sinne von abgelaufen).
11 Uhr: Ha, 5€ Trinkgeld von einer lieben Oma, die grad am Auschecken ist, bekommen. Damit erhöht sich mein Stundenlohn auf geschätzte 7 Cent.
12 Uhr: Kartoffeln für mich, geilstes Essen für die Privatversicherten, mann wie ich denen eine Magenspiegelung wünsche. Weil sie dann nüchtern bleiben. Wegen meiner unterirschisch niedrigen Rangstufe krieg ich aber eigentlich eh nichts, es sei denn, alle Privaten werden am selben morgen Gastroskopiert oder so. Naja, ich will ja auch auf meine Linie achten. Aber morgen könnte ich ja etwas in den Kurven rumpfuschen.
13 Uhr: Kein Ahnung was genau ich die ganze Zeit mache, aber es ist sau stressig. Wo sind die anderen eigentlich? Naja, noch schnell jemanden in den OP hoch schieben und GANZ langam die Treppe runterlaufen.
14 Uhr: Juhu, Übergabe, Gejammer unsererseits. Wieder alles in Butter, ich bin nur am Lächeln ob der Dinge die mir harren.
15 Uhr: Mit fliehenden Fahnen hau ich ab und brauch jeden Tag für den Rückweg 5 Minuten weniger als für den Hinweg. Ok, es geht den Berg runter.
Geilst.
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